
Pflanzenbau
Teil von Agrarlieferanten Auswahl: Kriterien, Preise und Verträge
Wie wähle ich den richtigen Agrarlieferanten aus?
Agrarlieferant auswählen: Fünf Schritte vom Bedarf im November bis zum Vertrag, mit gewichteten Kriterien, Beispielrechnung und benannten Anbietern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bedarf, Lieferfenster und Anlieferungsort stehen vor jeder Anfrage fest.
- Fünf Schritte führen vom November bis zum Vertrag im Februar.
- Je Warengruppe kommen drei bis fünf benannte Anbieter in die Auswahl.
- Eine Gewichtungstabelle mit Nachweisen macht Angebote vergleichbar.
- Zwei Anbieter bleiben als Zweitquelle im Rennen.
Bedarf festhalten, Zuständigkeit klären
Der Betriebsleiter führt die Bedarfsliste, die Schlagkartei liefert die Mengen. Notieren Sie bis Ende November Saatgut, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Ersatzteile und Schmierstoffe mit Menge, Lieferfenster und Anlieferungsort. Wer die Liste führt, fordert auch die Angebote an und verhandelt die Preise. Grundlagen des Pflanzenbaus und ackerbauliche Rahmenbedingungen fasst das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in den Grundlagen des Ackerbaus zusammen.
Fünf Schritte von der Anfrage bis zum Vertrag
Konkrete Anbieter je Warengruppe
Suchen Sie nicht den einen Lieferanten, sondern je Warengruppe den passenden Betrieb. Düngemittel und Pflanzenschutz liefern genossenschaftliche Händler wie die AGRAVIS Raiffeisen AG in Münster, die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG in Köln und die ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe.
Norddeutsch und hessisch aufgestellt sind die Raiffeisen Waren GmbH in Kassel und die Hauptgenossenschaft Nord AG in Kiel. Überregional arbeiten die BayWa AG aus München und die Beiselen GmbH aus Ulm.
Saatgut kommt oft direkt vom Züchter, etwa von der KWS Saat SE in Einbeck oder der Deutschen Saatveredelung AG in Lippstadt. Pflanzenschutzmittel liefern Hersteller wie BASF und Bayer oder der Landhandel vor Ort. Ersatzteile und Schmierstoffe beziehen Sie über Kramp, Granit Parts oder den Landmaschinenhändler.
Prüfen Sie je Warengruppe mindestens zwei Anbieter, damit eine Zweitquelle bleibt.
Angebote mit gewichteten Kriterien bewerten
Ein Angebot ist erst vergleichbar, wenn alle Anbieter dieselben Positionen bepreisen. Legen Sie die Gewichtung vor der Anfrage fest. Das Beispiel gilt für einen Marktfruchtbetrieb mit 300 Hektar.
| Kriterium | Gewichtung | Nachweis |
|---|---|---|
| Preis und Konditionen | 25 Prozent | schriftliches Angebot mit Zahlungsziel |
| Lieferzuverlässigkeit | 20 Prozent | Liefertermine der vergangenen zwei Jahre |
| Fachberatung | 20 Prozent | Sachkundenachweis und Beratungsprotokolle |
| Logistik und Lagerung | 20 Prozent | Anlieferzeit und Silokapazität |
| Ersatzteilservice | 15 Prozent | vereinbarte Reaktionszeit |
Fehlt ein Nachweis, bleibt das Feld leer und die Punktzahl sinkt. Streichen Sie Kriterien, die kein Anbieter belegen kann, bevor Sie die Angebote öffnen. Bleiben zwei bis drei Anbieter übrig, klären Sie Anlieferzeit im Frühjahr, Teillieferungen und die Rückgabe von Verpackungen. Halten Sie fest, wer die Ware annimmt und wer Reklamationen bearbeitet.
Kosten je Hektar und regionale Auflagen prüfen
Rechnen Sie vor der Zusage die Kosten je Hektar durch. Ein Rabatt auf den Listenpreis hilft wenig, wenn die Ware zwei Wochen zu spät kommt.
Beispielrechnung: Ein Betrieb mit 300 Hektar und 180 Kilogramm Stickstoffbedarf je Hektar benötigt 54.000 Kilogramm Stickstoff. Ein Preisunterschied von fünf Euro je 100 Kilogramm summiert sich über die Saison auf 2.700 Euro, alle Beträge netto zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer.
Bei Pflanzenschutzmitteln gehört die Fachberatung zum Angebot. Der Handel liefert nur an Betriebe, die einen Sachkundenachweis vorlegen. Lassen Sie sich Beratungsprotokolle und Zulassungsnummern schriftlich geben. Wirkstoffe genehmigt die Europäische Union, die Zulassung der Mittel erteilt in Deutschland das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
Bei Bewässerung und Fördertechnik wirken regionale Regeln auf die Lieferplanung. Für bayerische Betriebe bündelt das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus Fachinformationen zum Pflanzenbau in Bayern. Wer Fördermittel für Technik oder Bewässerung einplant, nutzt die Fachinformationen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Prüfen Sie zum Schluss Referenzen aus der Nachbarschaft.
Häufige Fragen
Wie viele Angebote sollte ich einholen?
Drei bis fünf Anfragen je Warengruppe ergeben eine belastbare Vergleichsbasis. Kommt nur ein vollständiges Angebot zurück, verschieben Sie die Entscheidung um zwei Wochen.
Woran erkenne ich einen leistungsfähigen Lieferanten?
An festen Ansprechpartnern, schriftlichen Lieferfenstern und belegten Reaktionszeiten. Fragen Sie zwei Betriebe aus der Nachbarschaft nach ihren Erfahrungen.
Was gehört in den Liefervertrag?
Menge, Qualität, Preis, Lieferfenster, Zahlungsziel, Reklamationsweg und der Name des Ansprechpartners. Änderungen halten Sie schriftlich fest.
Wann lohnt sich ein Lieferantenwechsel?
Wenn Liefertermine wiederholt platzen oder die Beratung ausbleibt. Wechseln Sie nach der Ernte, nicht während der Bestellspitze im Frühjahr.
Welche Unterlagen verlangt der Handel?
Für Pflanzenschutzmittel den Sachkundenachweis und die Betriebsnummer. Für Düngemittel reicht meist die Bestellung mit Mengen und Lieferfenster.



